06.07.2019 Thüringen Ultra

Thüringen Ultra – ein Rennen zwischen Himmel und Hölle

Um 0.30 Uhr steht man auf, fährt ins thüringische Fröttstadt, um mit 260 weiteren Laufverrückten in ein 100 Kilometer weites Laufabendteuer zu starten. Mit dabei auch zwei aus unserem Talentestützpunkt. Mit Kai Teuchert und Steffen Uhlich waren die „Chefs“ vom Förderverein vertreten. Wir können nicht nur Organisieren oder Kinder bespaßen, sondern auch ein klein wenig Laufen. Vor zwei Jahren sind wir schon gemeinsam, an gleichem Ort, eine Staffel über diese Distanz gelaufen. Wir wussten also, was auf uns zukommt. Als Trainingslauf hatten wir uns den Fichtelberg Ultra am 1. Juni rausgesucht und recht ordentlich bestanden.

4.00 Uhr begaben wir uns an die Startlinie. Angespannt aber frohgelaunt warteten wir auf das Startsignal. Es war noch dunkel. Erst einmal ging es gemütlich los. Kai ist immer der flottere Starter und setztes sich ab. Nach etwa 5 Kilometer kamen die ersten kleinen Anstiege. Nach 8 Kilometern waren wir wieder auf gleicher Höhe und liefen so noch 7 km gemeinsam Seite an Seite. Dann kamen die ersten ernstzunehmende Anstiege. Kai konnte nicht mehr folgen und musste Abreisen lassen. Von da an lief ich 85 Kilometer ganz allein dem Ziel entgegen. Kai musste bei Kilometer 33 aufgeben. Er hatte gesundheitlich Probleme und da ist es besser, sich zurück zu nehmen. Die Strecke ist sehr schwer zu laufen. Es geht ständig bergauf und bergab. Lange, kurze, steile, flache Berge warteten auf der gesamten Strecke. Die Organisatoren hatten aller ca. 7 Kilometer Verpflegungspunkte eingerichtet. Diese habe ich immer herbeigesehnt. Vor allem gegen Ende der Strecke. Bis 55 Kilometer lief es recht ordentlich. Durch die Kühle des Waldes waren die Temperaturen angenehm. Doch die Muskeln merkten bereit die zurückgelegte Strecke und vor allem die 1550 Höhenmeter. Da ich absichtlich keine Zeitmessung eingestellt hatte, wusste ich auch nicht, wie meine Geschwindigkeit war. Meine zwischenzeitliche Platzierung kannte ich ebenfalls nicht. So lief ich mein Gefühlstempo und das war gut so. Da kam kein Leistungsdruck auf. Nach dem Verpflegungspunkt bei Kilometer 55 kam der „Höhepunkt“ der Strecke – ein 7km Anstieg mit mehr als 500 Höhenmetern am Stück. Das war heftig. Da waren Gehphasen unvermeidbar. Im letzten Drittel der Strecke kamen viele ausgespülte Wege hinzu, wo man höllig aufpassen musste nicht über die losen Steine zu fallen. Sehr anspruchsvoll dieser Abschnitt. Dabei brannten die Oberschenkel schon mächtig. Ab Kilometer 80 war der schützende Wald zu ende und man lief fast durchgängig unter der prallen Sonne. Inzwischen war es 29°C warm. Der Lauf wurde zum „Überlebenskampf“. Hier trat der Wille zum unbedingten Finishen in den Vordergrund. Mit Tunnelblick dem Ziel entgegen. Erstaunlicherweise konnte ich in dieser Phase mein Tempo noch einmal steigern. Die letzten zwei Kilometer bis zum Ziel schien man zu fliegen. Das Adrenalin schoss in den Körper und ich war einfach nur glücklich, diese Herausforderung durchgehalten zu haben. Da spielte der Wille eine entscheidende Rolle. Den Zieleinlauf habe ich richtig genossen und mir Zeit gelassen, um den Beifall aufzusaugen. Nach 10:20h habe ich die Ziellinie überquert. Damit war ich mehr als zufrieden. Man bekommt auch sofort die Ergebnisse überreicht. Ich war sichtlich überrascht, dass nur 12 Läufer schneller waren als ich. Meine Altersklasse hatte ich sogar gewonnen. Das war einfach sensationell. Da waren die Schmerzen schnell vergessen. Nach einer ausgiebigen Massage nahm ich den Siegerpokal entgegen. Erstaunlich locker schaffte ich es aufs Siegertreppchen zu steigen. Nach gut zwei Stunden, also 19.00 Uhr, saß ich schon wieder am heimischen Abendbrottisch.

 

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